Wie organisiere ich meinen Umstieg auf Linux?

Von Stefan | Unter Linux | Kommentar dazu?  | 3550 Hits.
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Vorbemerkung: Dieses Dokument wurde ca. 2005 geschrieben. Es könnte daher in Teilen überholt sein. Ich bitte um Kommentare!

  1. Lernen Sie Linux kennen.
    Diesen Schritt haben Sie schon begonnen, denn Sie lesen dieses Dokument. Der Vollständigkeit halber, oder um Ihnen eine Richtlinie zu geben, wie sie andere für Linux gewinnen können, nochmal von Anfang an:

    1. Holen Sie sich allererste Informationen.
      1. Linux ist ein Betriebssystem, also so etwas wie Windows. Ein Betriebssystem verwandelt den Haufen Blech, vor dem Sie sitzen, in einen funktionierenden Computer.
      2. Linux und Windows können parallel laufen – Sie müssen sich nicht von einem Tag auf den anderen entscheiden oder von einem System trennen!
      3. Linux ist unglaublich stabil. Da es aus dem Dunstkreis von Unix, einem Betriebssystem für Großrechner, Server und Spezialcomputern (z.B. aus der Medizin) kommt, ist es primär auf Zuverlässigkeit und Sicherheit ausgerichtet und stürzt praktisch nie ab. Gegen Viren und andere Attacken ist es praktisch immun.
      4. Linux ist frei. Das bedeutet, es wurde von seinem Erfinder, Linus Torvalds, unter der “GnU Public Licence” veröffentlicht, die Linux (ganz grob gesagt) als Allgemeingut deklariert. Im Laden können Sie zwar Linux in einer Schachtel kaufen; Sie zahlen aber nicht für die Software, sondern für den Service, daß die Firma (SuSE, RedHat oder wer auch immer) Ihnen eine Distribution zusammengestellt hat, sozusagen ein Päckchen geschnürt und auf DVDs gebrannt. Dazu bekommen Sie Handbücher und kostenlosen Support über eine Hotline. Linux selbst aber zahlen Sie nicht. All dies ist sehr bedeutsam, wenn man Linux als politischen Faktor sieht. Dazu sind Linux-Distributionen spottbillig im Vergleich zu Microsoft-Produkten und zudem politisch wesentlich korrekter.
    2. Wer es genauer wissen möchte, findet hier mehr Argumente und Details.

    3. Testen Sie Linux.
      Wer sich ein neues Auto kauft, kann beim Händler eine Probefahrt vereinbaren. Einen neuen Fernseher schließt der Fachhändler gerne für Sie im Laden an. Und die neueste Windows-Version läuft beim Computerspezialisten auf allen Rechnern. Leider sieht die Sache bei Linux (noch) anders aus: In den wenigsten Städten gibt es PC-Händler, die tatsächlich laufende Linux-PCs vorweisen können, obwohl man in fast Computerläden Linux-Distributionen kaufen kann – schade!
      Trotzdem fällt es nicht schwer, Linux zu testen, selbst wenn man keinen Freund hat, der Linux verwendet, keine Lust, zu einer
      Linux-User-Group (Vereine von Linux-Fans, die es in jeder größeren Stadt gibt) zu gehen oder gar eine Linux-Messe (wie z.B. den LinuxTag) zu besuchen:
      Testen Sie Linux auf Ihrem eigenen Rechner!
      Dazu brauchen Sie lediglich eine sogenannte Live-Linux-CD; der “Klassiker” ist
      Knoppix, das Sie sich kostenlos herunterladen können, das es aber auch oft als Heftbeilage-CD in diversen Computerheften gibt.
      Auch die deutsche Distribution
      Novell SuSE Linux gibt es gerne in Live-Evaluations-Versionen (die Version 9.3 lag auf DVD einer Zeitschrift bei und enthielt sowohl Live- als auch Installationssystem!).
      Legen Sie die CD/DVD in Ihr Laufwerk, booten Sie von der CD/DVD und genießen Sie Linux! Beachten Sie bitte, dass Linux von der Festplatte wesentlich schneller und flüssiger laufen würde, und dass der Zugriff auf Festplatten oder Disketten nicht ganz so einfach ist wie bei einem fest installierten Linuxsystem. Sie erhalten aber einen guten ersten Eindruck und gehen praktisch kein Risiko ein; die Wahrscheinlichkeit, bei diesem Test Daten zu verlieren ist sehr gering, wenn Sie die mitgelieferten Anleitungen beachten.
      Viel Spaß beim Ausprobieren! Wenn Ihnen Linux prinzipiell zusagt, dann…
    4. Analysieren Sie Ihre Umstiegsmöglichkeiten.
      Zunächst einmal etwas Wichtiges voraus:
      Die Frage Entweder-Oder stellt sich nicht!
      Sie müssen sich nicht auf einmal zwischen Windows und Linux entscheiden, sich nicht von einem Tag auf den anderen umstellen. Linux und Windows laufen wunderbar parallel!
      Wenn Sie sich nach dem ersten Kennenlernen entschlossen haben, sich näher mit Linux zu befassen, müssen Sie herausfinden, ob Linux für Sie tatsächlich geeignet ist, und ob Sie zusätzlich Ihr Windows-System behalten oder deinstallieren wollen bzw. können. Dazu sollten Sie Linux parallel zu Windows auf der Festplatte installieren, doch dazu
      später.
      Software: Ganz pinzipiell laufen Windows-Programme nicht auf Linux, es gibt aber Hunderte von Programmen, die plattformunabhängig sind, also auf beiden Systemen installiert werden können, z.B. Mozilla (Firefox-Browser und Thunderbird-Mailprogramm) sowie OpenOffice, s.u. Zudem gibt es Tausende sogenannte “Klone”, also Linux-Programme, die ähnlich aussehen und (oft besser) funktionieren wie ihre Windows-”Schwestern”, z.B. OpenOffice (vgl. Microsoft Office mit Word, Excel und PowerPoint).
      Gerade Multimedia-Anwendungen wie aktuelle Spiele werden aber nicht für Linux geschrieben und sind dort nicht zum Laufen zu bringen. Falls Sie solche Programme verwenden, müssen Sie Windows parallel installiert belassen, können aber einen Teil Ihrer Arbeit (Internet, EMail, Texte, Tabellen etc.) in Linux erledigen. Je nachdem, wie groß dieser Teil ist, lohnt sich der (Teil)Umstieg auf Linux.
      Hardware: Sie wissen sicherlich, dass jedes Stück Hardware in Ihrem PC einen Treiber benötigt – ein Systemprogramm, das dem Betriebssystem sagt, wie es mit der Hardwarekomponente umzugehen hat. In vielen Windowssystemen fällt das gar nicht auf, weil Windows bereits vorinstalliert auf dem Rechner läuft. Auffällig werden Treiber erst, wenn Sie eine neue Komponente einbauen oder Ihren Rechner neu installieren müssen.
      Auch hier hat Linux Vor- und Nachteile. Der Vorteil: Die meisten Komponenten werden bei der Linux-Installation automatisch erkannt und einwandfrei konfiguriert – wesentlich bequemer als in Windows!
      Der Nachteil: Die Hardware-Hersteller bieten fast nie Treiber für Linux an (rühmliche Ausnahmen sind z.T. und z.B. die Firmen Intel, IBM, HP…) – die Linux-Entwickler müssen die Hardware zunächst gründlich erproben und eigene Treiber herstellen, was oftmals nicht glückt, wenn die Hardware zu eng mit Windows zusammenarbeitet (z.B. bei manchen Modems, WLAN-Karten, Scannern oder Druckern). Erschwert wird die Situation noch durch die verschiedenen Distributionen (“Geschmacksrichtungen”) von Linux – ich selbst brachte auf einem alten Laptop die 8.x-Versionen von SuSE wegen der Grafikkarte nicht zum Laufen, Knoppix funktionierte aber einwandfrei. Letztlich ist auch die Installation vieler nachentwickelter Linux-Treiber recht knifflig.
      Hier ist also Testen angesagt. Installieren Sie ein möglichst aktuelles Linux – je jünger, desto mehr Treiber stehen zur Verfügung. Testen Sie ggf. mehrere Distributionen, wechseln Sie z.B. zwischen SuSE (mit RedHat-Struktur) und Knoppix (mit Debian-Struktur).
      Sollte eine Hardware-Komponente nicht laufen, überdenken Sie, wie oft Sie dieses Teil denn brauchen – z.B. benutze ich meinen Scanner, der nur unter Windows läuft, vielleicht zweimal im Monat, und dafür wechsle ich eben kurz nach Windows und bearbeite die Bilder dann in Linux weiter.
      Oftmals lohnt sich auch der Austausch von Komponenten – eine Linux-kompatible WLAN-Karte kostet etwa 30 Euro, der Ärger mit Windows-Viren war mir diesen kleinen Betrag auf jeden Fall wert. Und wenn der Tintenstrahldrucker sowieso schon schmiert, fällt eine Neuanschaffung auch nicht besonders schwer.
      Beim Kauf neuer Hardware ist zunächst Recherche im Internet nötig, denn meiner Erfahrung nach haben sogenannte “Fachhändler” keinen blassen Schimmer von der Linuxkompatibilität ihrer Ware. Auch die Verpackung von bestens geeigneter Hardware gibt meist keine Auskunft – was mit Garantieleistungen und Support zusammenhängt. Eine Google-Suche mit genauer Produktbezeichnung gibt meist Aufschluss.
      Machen Sie im Zweifelsfall von Ihrem Umtauschrecht Gebrauch, bewahren Sie alle Kassenzettel gut auf.
      Gute Adressen für den Hardwarekauf (wenn auch nicht ganz billig) sind z.B.
      http://www.linux-onlineshop.de, http://www.tuxhardware.de
      Wie dem auch immer sei, jetzt ist es Zeit für die Praxis, Zeit fürs …
    5. Linux installieren
      Jetzt wird’s richtig spannend – und ein bißchen riskant, denn immer, wenn am Rechner Software verändert wird, besteht das Risiko des Datenverlustes. Die Linuxinstallation beschreibe ich ausführlich auf einer anderen Seite [noch nicht online]- viel Erfolg dabei! Kehren Sie auf diese Seite zurück, wenn Sie die Installation abgeschlossen haben.
    6. Gemütlich umsteigen
      Wieder zurück? Gratuliere! Der größte Schritt ist geschafft! Linux läuft auf Ihrem Rechner, der Rest ist nur eine Frage der Zeit.
      Zunächst sollten Sie nun daran gehen, Ihre Daten linuxtauglich zu machen. Die wichtigsten Programme hierfür sind OpenOffice und das Mozilla-Projekt mit Firefox-Browser und Thunderbird-Mailprogramm. Laden Sie sich die (deutschsprachigen) Windows-Versionen dieser Programme herunter und installieren sie sie. Mozilla wird Ihnen sofort einen Import Ihrer Daten aus Ihrem alten Browser und Mailprogramm anbieten, und in OpenOffice können Sie weiterhin mit Ihren alten Microsoft-Office-Daten arbeiten. Suchen Sie im Internet nach Alternativprogrammen für Ihre gewohnte Software, wie z.B.
      Gimp als Ersatz für Adobe Photoshop.
      Arbeiten Sie auch ab und zu in Linux mit den Dateien aus Windows, machen Sie sich mit dem System vertraut. Lernen Sie, wie Sie Ihre
      Thunderbird-Maildaten parallel in Linux nutzen können!
      Nach einigen Tagen oder Wochen werden Sie feststellen, dass die Auswahl des Betriebssystems zweitrangig geworden ist – Sie können den Großteil Ihrer Arbeit entweder in Windows oder in Linux erledigen – jetzt ist der Punkt erreicht, an dem Sie tatsächlich auf Linux umgestiegen sind!

      Gratuliere!

    7. Optional: Windows abschalten
      Sie haben Windows schon seit Wochen nicht mehr benutzt? Sie sind sich sicher, es nicht mehr zu brauchen? Dann können Sie die Windows-Partition sichern oder auf die Datenpartition umkopieren und anschließend den leeren Platz auf der Festplatte der Datenpartition zuordnen! Und vielleicht findet sich bei EBay ein Käufer für die Windows-Setup-CD?…

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