Lenovo Miix 3-1030 für den Einsatz in der Schule?

Von Stefan | Unter Hardware, IT, Schul-IT, Windows, Windows 10, Windows 8 | Kommentar dazu?  | 4885 Hits.
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Das Lenovo Miix 3-1030 scheint eine echte Alternative zum Microsoft Surface zu sein – vor allem preislich.
Zunächst aber interessiert mich, ob ich das Tablet für den Einsatz in der Schule, genauer gesagt als Arbeitsgeräte für die Schüler, für einzelne Schulstunden verwenden kann.

Für die Eiligen: Etwa in der Mitte des Artikels findet sich das Fazit!

Zur Hardware:
Aufgeladen wird das Miix wie die meisten Handies heutzutage per mitgeliefertem USB-Ladegerät über ein Micro-USB-Kabel; das gefällt mir schon mal gut, da man sich ein Ladegerät auf Reisen sparen kann. Aufladen ist auch an normalen USB-Ports möglich, dauert aber länger, denn der Originallader pulvert mit 5,2 Volt und vollen 2 Ampere deutlich mehr Leistung raus als in der USB-Spezifikation vorgesehen. Ich wäre vorsichtig beim Aufladen von anderen Geräten an diesem Power-Netzteil!
Die Tastatur des „Folio Case“ (eine der beiden Tastaturen, die zur Auswahl stehen) hat eine ordentliche Haptik, auch wenn die Tasten aufgrund der 10 Zoll des Geräts baubedingt kleiner als Standard geraten sind. Die Tasten bewegen sich (ähnlich wie beim Microsoft Type Cover) und haben einen klaren Druckpunkt. Auch das Touchpad ist gut und „klickt beim Klicken“ – so weiß man, was passiert. Das Folio Case kann auf verschiedenste Weise genutzt werden – siehe https://www.youtube.com/watch?v=ztunrYXgLO4. Der Bildschirm dreht sich jedoch nicht ins Hochformat, solange das Folio Case angeschlossen ist. Will man das Tablet „solo“ oder hochkant verwenden, muss man es aus dem Case lösen; wie oft das die Plastikklammern mitmachen, ist fraglich. Insofern wäre das gleich teure Tastatur-Dock wahrscheinlich die bessere Wahl, insbesondere, weil man damit auch einen normalen USB2-Anschluss erhält. Weder das Tablet selbst noch das Folio Case haben einen regulären USB-Port!
Das Gerät ist sensationell leicht, wirkt dennoch nicht billig verarbeitet – bis sich die ersten Kratzer auf der Rückseite des Geräts finden, wenn man es einmal ohne Cover verwendet hat. Das Plastik zerkratzt unglaublich leicht.
Der Umgang mit Windows auf dem Touch-Bildschirm ist gewöhnungsbedürftig; im Gegensatz zu reinen Tabletsystemen mit Android oder IOS sind viele Schaltflächen in Windows eben für die Bedienung mit der Maus ausgelegt, und man vertippt sich leicht. Die Bildschirmtastatur dagegen ist benutzerfreundlich geraten.
Wie die SD-Karte eingesteckt werden muss, erschließt sich mir erst einmal nicht. Das Symbol scheint verkehrt herum auf das Gehäuse aufgedruckt zu sein. Die beschriftete Seite der Karte gehört nach oben, die Anschlüsse nach unten. Dann braucht man sehr lange Fingernägel oder ein flaches Werkzeug, um die Karte einrasten zu lassen.
Läuft das Tablet erst einmal, dann gehen Standardaufgaben flott voran, aber der IE baut Seiten mit deutlich spürbarer Verzögerung auf; mehr darf man vom Atom-Prozessor nicht erwarten. Ressourcenschonende Programme sind hier Pflicht!
Nun zur Einrichtung: Hier ergibt sich sofort ein Problem: Man kann zwar mehrere Benutzer einrichten, aber man kann das Ändern des Passworts nicht sperren – weder über die (nicht existente) Benutzerverwaltung, noch über eine lokale Gruppenrichtlinie, noch über einen Registry-Eintrag. Schon hier ein Riesenproblem: Wenn irgendein Spaßvogel ein Passwort vergibt, kommt kein anderer Schüler mehr in das Benutzerkonto hinein, und der Admin muss wieder ran.
Ich versuche daher auf jede erdenkliche Möglichkeit zunächst einmal ein anderes Betriebssystem zu installieren, was nicht gelingt – wer die Details nachlesen möchte, bitte weiter unten!
Nach einigen fruchtlosen Stunden wird klar: Das vorinstallierte (und für die OEMs beinahe kostenlose) „Windows 8.1 with Bing“ für Low-Budget-Geräte wie das Miix 3 ist dermaßen kastriert, dass man Imaging vergessen kann, ebenso wie eine vernünftige Benutzerverwaltung, etc.
Im Netz lese ich, dass nach einem Update aus Windows 8.1 with Bing ein Windows 10 wird – angeblich ohne Bing. Mal sehen, ob das etwas bringt. Das Upgrade dauert etwa eineinhalb Stunden, klappt aber reibungslos.
Leider ist auch die nun installierte Version von Windows 10 nicht in der Lage, den Benutzern die Passwortänderung zu verbieten. Wer das Miix in der Schule einsetzen will, muss pädagogische Maßnahmen ergreifen, um die Tablets betriebsfähig zu halten, oder Wächtersoftware einsetzen (s. u.); das Betriebssystem sauber abzusichern ist mit den üblichen Bordmitteln nicht möglich.
Unter Windows 10 klappt jedoch das Anlegen eines Sicherungsabbildes nun perfekt (SD-Karte 32GB, NTFS; vorher kann ich über die Kachel Einstellungen – System – Speicher das Laufwerk C:\ bereinigen, um die alte Windows-Version zu löschen, die gute 4 GB in Anspruch nimmt):
Über Rechtsklick unten links – „System – Sicherheit und Wartung – Dateiversionsverlauf – Systemabbildsicherung – Systemabbild erstellen“ kann ein Abbild auf SD-Karte gespeichert werden. Dies dauert bei einem Tablet mit einigen größeren installierten Programmen (wie z. B. Office) eine knappe halbe Stunde.
Über den Weg „Systemkachel – Update und Sicherheit – Wiederherstellung – Erweiterter Start/Jetzt neu starten – Problembehandlung – Erweiterte Optionen – Systemimage-Wiederherstellung“ klappt das Wiederherstellen ebenso problemlos, es sind keine weiteren Eingaben notwendig. Prima, so kann man arbeiten. Ob das Image auch auf weitere Geräte ausgerollt werden kann, kann ich aber erst testen, wenn weitere Tablets eingetroffen sind. Worst Case: Jedes Tablet hat seine eigene Backup-SD-Karte, die kosten ja heute nicht mehr die Welt.
Nun setze ich das Gerät zu Testzwecken komplett zurück und erhalte ein taufrisches Windows 10 – alle Programme, die beim Upgrade von 8.1 Bing auf 10 übernommen wurden, sind jetzt verschwunden. Gut, dass ich schon ein Systemabbild habe. „Windows 8.1 mit Bing“ ist jedoch restlos verschwunden und kann nicht wiederhergestellt werden – das Upgrade auf Windows 10 hat auch die Recovery-Partition verändert.
Ein abschließender schneller Test mit der Schutzsoftware „Dr. Kaiser PC-Wächter“ zeigt, dass diese Software das Tablet effizient vor Veränderungen bewahren kann!
Fazit:
Das Tablet hat ein ordentliches Preis-Leistungs-Verhältnis. Leider fehlt der Standard-USB-Port; kauft man das Gerät mit Tastatur-Dock statt Folio-Tastatur, ist an diesem Dock ein Port verbaut. Beim Einsatz in der Schule ist das kostenlose Upgrade auf Windows 10 unbedingt nötig, um Sicherungen der Installation anlegen zu können. Das Gerät kann gegen Manipulationen durch Schüler nicht mit Bordmitteln abgesichert werden; hier ist Pädagogik und Kooperation gefragt, oder eine Zusatzausgabe für Schutzsoftware fällig.
Ob das Tablet deutliche Vorteile gegenüber einem etwa gleich teuren Note- oder Netbook hat (auf das man dann die bewährten Desktop-Betriebssysteme ausrollen könnte), welche die genannten Nachteile ausgleichen, muss die unterrichtliche Praxis erweisen.
Später noch zu testen:
  • Direktes Einspielen des Win 10-Abbildes in ein frisches 8.1-Tablet
Wie oben erwähnt hier noch meine Notizen über gescheiterte Versuche bezüglich Betriebssysteminstallation und Imaging:
Dem Tablet möchte ich Windows 7 Pro verpassen, das auch auf den Schulrechnern läuft. Zuerst die x86-Treiber mittels Double Driver gesichert, dann per USB-Stick gebootet. Nächste Überraschung: Das Tablet hat keinen normalen USB-Port, nur einen Micro-USB. Jetzt wäre ein Adapter gefragt, den besitze ich aber nicht. Das Tastatur-Dock besitzt so etwas, das Folio Dock, das ich gekauft habe, jedoch nicht. Na toll.
Das Miix 300 / Miix 3 1030 verfügt jedoch über einen Micro-SD-Kartenslot, also packe ich die Windows-Installationsdateien auf eine SD-Karte und versuche es damit. Wenn etwas schief geht, hoffe ich, das mit der 5GB Recovery-Partition wieder auf die Reihe zu bekommen.
Bei den ersten drei Neustarts werden 79 (!) Updates für „Windows 8.1 mit Bing“ installiert – das dauert ein Weilchen.
 
Wie ich aus vielen Forenbeiträgen erlesen habe, wäre es wohl fatal, die Recovery-Partition zu löschen, da sich auf dieser das gesamte Win 8.1 befindet, das dann per WimBoot geladen wird – also Finger weg von der Recovery!
 
Vorsichtshalber boote ich erst einmal ein WinPE, um mir einen Überblick zu verschaffen. Das ist aber gar nicht so einfach -… siehe SD-Karte.
 
Und wie komme ich jetzt ins BIOS? Dieses Dokument ( https://support.lenovo.com/us/en/docs/UM101133 ) gibt Aufschluss: Tablet herunterfahren, mindestens 5 Sekunden warten, dann die Lauter-Taste gedrückt halten und das Gerät einschalten. Voilà!
Im BIOS-Setup stelle ich zunächst den Secure Boot auf „off“ (per Enter-Taste), dann muss ich die Einstellungen speichern und das Gerät startet wieder mit Windows.
Erneut herunterfahren, wieder ins BIOS – und es gibt immer noch keine alternative Bootmöglichkeit. Toll.
 
PC-Einstellungen – Update/Wiederherstellung – Wiederherstellung – Erweiterter Start: Ein Gerät verwenden:
  • USB -> System doesn’t have any USB boot option. Please select other boot option in Boot Manager Menu.
  • DVD/CDROM: System doesn’t have any CD/DVD boot option. Please select other boot option in Boot Manager Menu.
  • Network: System doesn’t have any Network boot option. Please select other boot option in Boot Manager Menu.
Problembehandlung: Erweiterte Optionen
  • Systemimage-Wiederherstellung: Bootet sofort neu in speziellem Modus, Eingabe Admin-Kennwort; „Auf dem Computer wurde kein Systemabbild gefunden“ ==> Möglichkeit zur Sicherung!
  • UEFI-Firmwareeinstellungen: Lädt das BIOS
  • Starteinstellungen: ähnlich „abgesicherter Modus“ in XP
 
Firmware-Update von B4CN26WW auf B4CN27WW per Update-Programm von Lenovo, doch das bringt auch nichts.
 
Double Driver: ALLE TREIBER auf SD-Karte sichern, auch Microsoft-Treiber!!!
Win 7 Pro x86-Installation einfach per Doppelklick auf „setup.exe“ starten
Datenträger 0 Partition 3 22,9 GB => Intel SD-Hostcontroller (veraltet)
Nochmals in Double Driver den SD Host Controller raussichern (MS-Treiber!)
Treiber laden => SDHost / Intel SD Host Controller, den ersten in der Liste auswählen
Warnungen ignorieren -> installieren läuft an. Nach der 2. Phase:
„Der Computer konnte nicht auf den Start der nächsten Installationsphase vorbereitet werden. Starten Sie die Installation erneut, um Windows zu installieren.“
 
Imaging: Befehlszeilenprogramm „recimg“ steht auf dem Tablet nicht zur Verfügung.
Drive Snapshot: Image auf SD-Karte angelegt, PC danach mit Auffrischen-Funktion komplett zurückgesetzt (dauert ca. 10 Minuten), Image zurückspielen scheitert mit einem Fehler.
 
System – Wartungscenter – Dateiversionsverlauf – Systemabbildsicherung
=> zweimal Fehlermeldung: „Klasse nicht registriert (0x80040154) Schließen Sie die Windows-Sicherung und wiederholen Sie den Vorgang“ –  Sicherung hängt sich irgendwann auf.
Über „…Starteinstellungen“ (s.o.) und dann „4“ abgesichert booten; Systemabbild wird hier nicht unterstützt.
 

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