Sicherheit geht vor :-|

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Die USA sind ein wunderschönes Land, und es gibt wohl kaum herzlichere und gastfreundlichere Menschen als Amerikaner – wir dürfen uns glücklich schätzen, dort so gute Freunde zu haben.

Die US-Regierung hat jedoch scheinbar beschlossen, dass man diese Gastfreundschaft nicht so deutlich zeigen sollte. Um in die Staaten einreisen zu dürfen, muss man Prozeduren über sich ergehen lassen, die an die Zonengrenze vor 1989 erinnern:

  1. Ohne elektronisch lesbaren Pass mit biometrischen Daten geht gar nichts. Selbst Leo muss im Bürgerbüro seine Fingerabdrücke einlesen lassen.
  2. Mit den neuen Pässen muss ein ESTA-Antrag gestellt werden. Früher bekam man im Flugzeug farbige Zettel, auf denen man bestätigen musste, dass man weder Syphilis, Lepra noch Drogen mitführt; dass man nicht mit Staatsgeheimnissen handelt und auch keinen Völkermord begangen hat (kein Witz!). Heute gibt’s keine Zettel mehr, das Ganze wird online absolviert und kostet 14 Euro pro Nase. Dafür „darf“ man online auch angeben, bei wem und als was man seine Brötchen verdient.
  3. Damit nicht genug: Bei der Fluggesellschaft muss man ebenfalls die Passnummern, sämtliche Vornamen sowie die erste Übernachtungsadresse in den USA eintippen, sonst wird einem das Boarding verwehrt. Über diese Information bin ich eher zufällig gestolpert – Glück gehabt, sonst hätte die Reise vielleicht schon in Kopenhagen geendet.
  4. Schon 2007 interessierte sich Herr Bush und seine Sicherheitsfuzzis intensiv für meinen Körper; vier Finger und meine rechte Retina sind den Behörden nach der ganz normalen „Immigration“ nun bekannt. Auf Fragen wie „Wieso reisen Sie in die USA? Wohin fahren Sie? Wen treffen Sie dort?“ möchte man als aufgeklärter Schwabe gerne mit „Des geht Sie an Sch….dreck an!“ antworten, doch man will „rein“ und muss höflich die Privatsphäre beim Türsteher abgeben – was einem das Gefühl gibt, weniger Gast als Geduldeter zu sein.

Wenn Amerikaner nach Europa reisen, stehen ihnen alle Türen offen. Für US-Bürger gibt es in der EU keine Visapflicht, keine Anträge, keine Fingerabdruckscanner. Sie werden nicht behandelt wie Verdächtige beim Polizeiverhör. Daher wissen Amerikaner gar nicht, wie abweisend und feindselig die von ihnen gewählten und bezahlten Türsteher wirken – sie würden sich schämen für ihre Repräsentanten.

Korrekturen: Auch Amerikaner werden bei der Einreise in ihr Heimatland recht intensiv gefilzt, und zwar auf Lebensmittel, Pflanzen etc.
Es gibt zusätzlich auch immer noch Zettel im Flugzeug, auf denen auch der Wert von Mitbringseln eingetragen werden muss.

Jetzt hat die NSA übrigens beide Hände, alle Finger. Das Wort „please“ existiert für Immigrationsbeamte nicht. Wenigstens ging’s recht flott.

Aus Sorge, dieser Beitrag könne per NSA Ärger bereiten, veröffentliche ich ihn erst nach der Reise.

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