Daten sichern für den ganzen Haushalt

Von Stefan | Unter Hardware, IT, Netzwerke, Schul-IT, Top Ten, Werkzeugkasten, Windows | 3 Kommentare  | 10083 Hits.
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Auf unseren Festplatten liegen die Ergebnisse jahrelanger Arbeit und die Erinnerungen an die schönsten Momente im Leben. Wie schlimm wäre es für Sie, wenn Ihre Festplatte plötzlich weg wäre? Wo wären Ihre Hochzeitsfotos? Die Videos mit den ersten Schritten Ihrer Kinder? Nicht auszudenken, wenn das alles fort wäre, oder? Und trotzdem bekomme ich sehr oft Hilferufe zu hören. In manchen Fällen kann ich dann verloren geglaubte Daten retten (wenn es nur am defekten Betriebssystem liegt), wenn die Festplatte aber beschädigt wurde, ist Ende.

Sind Ihre Daten gesichert? Läuft Ihr Backup automatisch? Ist es physisch vom zu sichernden Rechner getrennt? Ist es gegen physische Schäden geschützt? Wenn Sie diese Fragen mit „nein“ oder „weiß nicht“ beantworten, müssen Sie handeln – am besten sofort!

  1. Vorplanung: Ein Backup sollte regelmäßig und vollautomatisch ablaufen. Damit scheiden alle Sicherungsmedien aus, die Sie manuell bedienen müssen: USB-Sticks, DVD-Rohlinge oder (ganz antiquiert) Bandlaufwerke genügen nicht. Ebenso sollte ein Backup-Datenträger physisch von den Rechnern, die man sichern möchte, getrennt sein: Es hilft wenig, wenn der Rechner samt Backup gestohlen wurde oder im überschwemmten Keller steht. Das lässt nur zwei Möglichkeiten offen: Die Sicherung auf Server im Internet (Nachteile: Man gibt seine Daten aus der Hand, man hat nur begrenzten Platz und die Sicherung dauert über den DSL-Anschluss sehr lange) oder ein Backup auf eine NAS (Network Attached Storage), einen Mini-Server für das Heimnetzwerk.
    Eine Mischstrategie ist hier die beste Lösung: Die allerwichtigsten Dateien können in ein passwortgeschütztes Archiv gepackt und ins Internet hochgeladen werden; das lässt sich auch automatisieren.
  2. Für die heimische Sicherung schafft man eine NAS an. Die Preise variieren hier je nach Ausstattung der Geräte extrem: Ausschlaggebend sind die Anzahl der Festplatten sowie deren Speicherplatz. NAS mit nur einer Festplatte mit 2TB Speicherplatz – im Format einer großen USB-Festplatte – genügen für die meisten Haushalte. Wer mehr Platz benötigt, greift zur klobigeren NAS mit zwei oder vier Festplatten. Mehrere Platten pro NAS agieren als sogenanntes RAID-Systemund können üblicherweise folgende Effekte erreichen:
    1. RAID 0: Maximaler Speicherplatz und hohe Geschwindigkeit; Dateien werden beim Schreiben auf zwei (oder mehr) Platten verteilt. Dies bedeutet i. d. R. aber auch, dass fast alle Dateien verloren gehen, wenn auch nur eine der Platten ausfällt.
    2. RAID 1: Maximale Sicherheit; alle Daten sind automatisch mehrfach vorhanden. Erst wenn alle Platten ausfallen, sind die Dateien weg. Ein weiterer Vorteil ist eine deutlich erhöhte Lesegeschwindigkeit.
    3. RAID 5: Kompromisslösung, ab 3 Platten möglich: Vereinfacht gesagt wird der Speicherplatz einer Festplatte für die Speicherung von Kontrolldaten verwendet. Wenn eine Platte ausfällt, kann anhand der Kontrolldaten und der verbliebenen intakten Platten der Inhalt der defekten Platte rekonstruiert werden. Es darf aber gleichzeitig nur eine Platte ausfallen, sonst sind alle Daten verloren. Eine NAS mit vier Festplatten à 2TB stellt also 6TB Speicher zur Verfügung, 2TB werden für die Sicherung verwendet.

    Da Ihre NAS zur Sicherung von bestehenden Daten dient, die beim Ausfall der NAS (hoffentlich!) wohl nicht zeitgleich verloren gehen, können Sie auf die zusätzliche Sicherheit eines RAID-Systems wohl verzichten – das sollten Sie aber selbst überdenken! Achten Sie beim Kauf aber unbedingt darauf, ob die NAS bereits eingebaute Festplatten besitzt, oder ob es sich nur um ein Gehäuse handelt, in das Sie noch Platten einbauen müssen! Wenn Sie selbst stückeln und RAID 1 oder 5 verwenden wollen, wählen Sie identische Plattengrößen.
    Ein weiteres Kriterium ist der Stromverbrauch der NAS (die in der Regel immer eingeschaltet bleibt) im Energiesparmodus und -falls das bei Ihnen nötig sein sollte (s. u.) – die Anschlussmöglichkeit über WLAN.

  3. NAS installieren: Die Datensicherungsplatte sollte möglichst über ein (i.d.R. mitgeliefertes) Netzwerkkabel an den DSL-Router angeschlossen werden, um möglichst schnelle Datenübertragung und Ausfallsicherheit zu gewährleisten. Zudem sollte sie an eine Steckdose mit Überspannungsschutz angeschlossen werden, um gegen Blitzschläge immun zu sein. Letztlich sollte die NAS gegen Wasserschäden, Stürze, unbefugten Zugriff der lieben Kleinen etc. gesichert sein.
  4. Sobald die NAS am Netz ist, sollte nach Anleitung ein Netzwerkname, möglichst eine statische IP-Adresse und ein sicheres root/admin-Passwort eingerichtet werden.
  5. Anschließend werden ebenfalls nach Anleitung alle Benutzer, die auf die NAS zugreifen dürfen, mit Passwörtern angelegt.
    Da viele Viren und Trojaner nicht nur lokale, sondern auch Netzwerkdateien schädigen, ist es  sinnvoll, für das Backup einen NAS-Benutzeraccount und -Speicherbereich anzulegen, der nur vom Backup-Programm genutzt wird. Wer Bart Backup verwendet, kann eine Batch-Datei mit „net use …“anlegen, die nur temporär ein Netzlaufwerk anlegt und dann wieder entfernt.
    Nun ist die NAS einsatzbereit, und Sie können sich um die einzelnen PCs kümmern.
  6. Auswahl des Backup-Programms: Wie erwähnt muss das Backup, um Sinn zu machen, nach einmaliger Einrichtung automatisch und zuverlässig seinen Dienst verrichten („set and forget“). Es gibt sehr viele Programme, die genau das versprechen. Programme wie die Windows-Sicherung legen spezielle Backup-Dateien an, die nur mit denselben Programmen und ggf. Passwörtern wieder entpackt werden können. Das gefällt mir nicht; ich möchte im Explorer sehen können, dass mein Backup tatsächlich funktioniert, also suche ich ein Programm, das eine Liste von Ordnern automatisch und 1:1 auf meine NAS kopiert.
    Mein Favorit ist in dieser Hinsicht Bart Backup, eine sehr kleine Freeware, die wegen einer Kleinigkeit nicht optimal für unerfahrene Benutzer ist: Sie hat keine eingebaute Zeitsteuerung, man muss sie über die „geplanten Tasks“ (XP) bzw. die „Aufgabenplanung“ (Win 7) steuern. Zudem gibt es keinen „Wizard“, der bei der Einrichtung des Backups hilft. Beides ist eigentlich kein Hexenwerk, kann unerfahrene Benutzer aber abschrecken.
    Den besten Kompromiss stellt meines Erachtens FBackup dar: Kostenlos, mit Wizard, mit Zeitsteuerung – für unsere Zwecke perfekt.
  7. FBackup einrichten: Auch FBackup stellt uns bei der Einrichtung noch vor ein paar Schwierigkeiten; die wichtigsten Stellen markiere ich deshalb mit Fettdruck.
    1. Bei der Installation hält man sich einfach an die Vorgaben.
    2. Beim Start verlangt FBackup administrative Rechte, um per Schattenkopiedienst auch geöffnete Dateien sichern zu können.
    3. Das Backup wird mit „Backup – Backups erstellen oder starten“ eingerichtet:
    4. „Where do you want to save?“ Im Netzwerk natürlich! Mit „Ordner => durchsuchen“ (kann lange dauern) sollte die NAS im Netzwerk gefunden werden. Ansonsten funktioniert die Angabe der IP-Adresse\Freigabe, z. B. „\\192.168.2.2\Backup“.
      Achtung: Die meisten NAS-Geräte basieren auf Linux und sind damit „case sensitive“, unterscheiden also zwischen Groß- und Kleinbuchstaben bei der Eingabe der Freigabe und des Benutzernamens! Nach Drücken des Button „Test“ sollte die Meldung „Netzwerk erfolgreich getestet“ erscheinen.
    5. „Was wollen Sie sichern?“ Klicken Sie, auch wenn es seltsam erscheint, auf „Neuer Ordner“und wählen Sie die zu sichernden Ordner aus. Die „üblichen Verdächtigen“ ist z. B. der Ordner „C:\Benutzer“ (der dann mit seinem echten Namen „C:\Users“ angezeigt wird), oder einfach die ganze Festplatte C: oder D:.
    6. „Wie wollen Sie sichern?“ Wählen Sie hier unbedingt Spiegeln , dann wird eine Dateikopie angelegt. Hier kann kein Passwort vergeben werden, doch die Sicherheit regelt man über die Passwörter der NAS-Freigaben.
    7. Backupzeitpunkt: Manuell macht natürlich keinen Sinn, wählen Sie am besten das automatische tägliche Update. Das Programm fordert in diesem Fall den Windows-Benutzernamen nebst Windows-Passwort an, der sich natürlich von den Zugangsdaten der NAS unterscheiden kann (und sollte!). Wählen Sie eine sinnvolle Uhrzeit, zu der Ihr Rechner läuft. Sollte er einmal nicht angeschaltet sein, wird das Backup normalerweise automatisch bei der nächsten Gelegenheit nachgeholt.
    8. Klicken Sie nun „Sichern“ – „Sichern und ausführen“, dann wird Ihr Backup angelegt. Der erste Durchgang kann abhängig von der Datenmenge und der Verbindung des PCs zur NAS (WLAN oder Netzwerkkabel) recht lange dauern. Anschließend testet FBackup, ob die Daten auch korrekt kopiert wurden, auch das nimmt noch einmal Zeit in Anspruch.
    9. Speicherplatz sparen: Unter „Eigenschaften des Backups – Spiegeln“ kann der Haken bei „Ausgeschlossene oder gelöschte Dateien aus dem Backup entfernen“ gesetzt werden. Die damit verbundenen Risiken sollten klar sein.
  8. Das Backup sollte nun manuell getestet werden: Öffnen Sie testweise Dateien auf der NAS. Fügen Sie neue Ordner und Dateien auf dem PC hinzu und beobachten Sie, ob die Daten auch wirklich beim Backup auf der NAS landen.
  9. Beachten Sie, dass dieses Backup-System keine Versionierung bereitstellt: Wenn Sie am Montag eine Datei erstellen, am Dienstag wichtige Teile löschen, können Sie am Mittwoch nicht die Montagsversion wiederherstellen. Falls Sie das wünschen, sollten Sie sich mit Tools beschäftigen, die Versionierung beherrschen, wie z. B. der Windows Sicherung. Man kann natürlich auch zwei Backup-Strategien parallel betreiben: Versionierung auf dem PC, Dateikopie ins Netzwerk.

Ich wünsche viel Erfolg und allzeit sichere Daten!

3 Comments

  1. Comment by HPensky:

    Moin,
    vielen Dank für die schöne Seite mit ähnlichen familiären und technischen Problemen und Lösungen wie bei uns. Toll gemacht, schön geschrieben und funktionieren tuts auch.
    lg___h.

  2. Stefan
    Comment by Stefan:

    Thematisch ein wenig verwandt: Der PowerEdge T20 als Heimserver: http://www.dell.com/de/unternehmen/p/poweredge-t20/pd

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