Route 66 nach Arkansas

Nein, die legendäre Route 66 führt nicht durch Arkansas, aber sie begegnet uns heute mehrfach. Nachdem Leo fast alle hartgekochten Eier des Hotels verputzt hat, machen wir uns auf den Weg zu der Metallgitterbrücke, auf der die Route 66 über den Mississippi führte. Heute ist die Brücke für Autos gesperrt, und man kann zu Fuß von Illinois nach Missouri laufen. Dass der „Old Man River“ breit ist, weiß man ja. Dass man eine Viertelstunde laufen muss, wenn man sein Stativ in der Mitte (!) der Brücke stehen gelassen hat, führt einem die wahre Größe physisch spürbar vor Augen.
Große Teile der 66 wurden seit den 80er Jahren vernachlässigt oder gar zerstört; Valerie meint, dass einfach keine Gelder für die Pflege einer Interstate-Autobahn und der alten Landstraße zur Verfügung stehen; ein bisschen traurig ist es aber schon, dass die „Mother Road“ heute so zerstückelt ist.
Anschließend fahren wir nach Cahokia, einer ehemaligen Großstadt der Indianer. Zwischen ca. 1000 und 1400 nach Christus lebten hier zu Blütezeiten bis zu 20.000 Menschen – ebensoviele wie im damaligen London!
Heute sind neben diversen Fundstücken (Keramik, Pfeilspitzen, Werkzeuge, Schmuck etc.) vor allem die gewaltigen Erdhügel erhalten geblieben, die von den Mississippians über Jahrhunderte aufgeschüttet wurden. Der größte, Monk’s Mound, hat eine ebenso große Grundfläche wie die Cheopspyramide. Die damalige Kultur wird im angegliederten Museum (Eintritt frei, sehr löblich!) eindrucksvoll dargestellt, was auch eine Voraussetzung für den UNESCO-Weltkulturerbestatus ist, den die Anlage völlig zurecht trägt.
Zwischen Museum und Begehung der Mounds lädt uns Sue zum Mexikaner ein, lecker!
Nach Cahokia kann ich mich mit „Frozen Custard“, einem sensationellen Zwischending aus Milchshake und Softeis, dafür revanchieren. Die Königsklasse der Süßigkeit trägt die Bezeichnung „Concrete“, = Beton, aufgrund ihrer Konsistenz. Zum Ritual gehört, dass der Verkäufer den Becher kurz verkehrt herum hält, um zu demonstrieren, wie fest die Masse im Becher klebt. Zu erwerben auf der Route 66 bei Ted Drewes, einer Institution aus der Blütezeit der Straße, wo sonst?
Wir verabschieden uns von Sue und machen uns auf die dreistündige Fahrt nach Piggott, Arkansas, die auch für Leo schnell vergeht, weil Tejuanas GMC über DVD-Player und Bildschirm am Wagenhimmel verfügt. Auf dem Weg kaufen wir eine Box mit 30 Hamburgern in Häppchengröße, die „Sliders“ von White Castle, wo angeblich das Fast Food erfunden wurde. Valerie erzählt, dass sie mit Schulfreunden früher zwei Stunden hin- und wieder zurückgefahren ist, um an diese Delikatesse zu kommen.
Etwas weiter kennt Tejuana, einen weiteren Mound, der neben einem Friedhof liegt. An den Grabsteinen fällt uns auf, dass oft Jahreszahlen fehlen; so finden wir z. B. zahlreiche Fälle von noch nicht verblichenen 125jährigen. Landluft ist gesund, oder? Wir erfahren, dass sehr viele Familien beim ersten Todesfall gleich mal alle Angehörigen eingravieren lassen und das Sterbejahr später nachtragen – daran kommt ja wohl keiner vorbei. Manchmal geht das aber schief, z. B. wenn ein Angehöriger sich woanders begraben lässt. – und dann bleibt ein scheinbar Unsterblicher zurück.
Viel lebensfroher geht es im Boomland Fireworks Store zu: Hier kann man ganzjährig Feuerwerkskörper einkaufen, zum Teil in mannshohen Großpackungen. Nebendran gibts einen Krimskrams-Superstore.
In Piggott angekommen begrüßt uns Frankie, Valeries Vater, mit selbstgemachtem Beef und Deer Jerky (Trockenfleisch), und wir bringen die erste Runde Mitbringsel (Steiffbär, Dvorak-CD, Trick-Krug, Bildband, Dirndl) unters Volk. Dann werden wir zu ‚unserer kleinen Farm‘ gebracht, die ca. 1 km von Tejuana und Frankies Haus entfernt mitten zwischen den Feldern liegt, das Haus ihrer Großeltern „Buddy“ und „Nana“, das wir für uns allein haben. Hier werden Haustüren nicht abgesperrt, sogar der Zündschlüssel von Valeries schickem Pickup-Truck, den sie uns leiht, dürfte im Schloss bleiben, aber das bringe ich beim besten Willen nicht fertig.
Mit dem Handyempfang sieht es dagegen mau aus, deshalb kann ich ab jetzt wohl auch keine Fotos mehr hochladen (Valeries Eltern haben keinen Internetanschluss, brauchen sie nicht – hier lebt man einfach noch gemütlicher; auf unserer Farm gibt’s nicht mal Telefon, weil ja hier niemand mehr dauerhaft wohnt), aber das wird nachgeholt.

Riding the Rails to St. Louis

Ort: Illinois und Missouri
Wetter: Bewölkt bis sonnig
Musik: Friends will be friends
Essen: Pulled Pork und sliced Roast Beef
Motto: South-Westward Ho!

Heute folgen wir der historischen Route 66, aber erst einmal auf Schienen. Gut, dass das Auschecken im Hotel und das Taxirufen (per Lampe, sehr cool) flott ging: In der Union Station wird man eine halbe Stunde vor Abfahrt eingecheckt.
Der Bahnhof liegt halb unterirdisch, die Bahnsteige sind düster und dreckig. Dagegen ist der klassisch silberglänzende Zug innen sehr geräumig, besser als 1. Klasse DB, und gepflegt. WLAN gibts auch, also kann ich gleich bloggen. So viel angenehmer als fliegen! Außerdem hat man noch echte Übergänge zwischen den Waggons, die blechern scheppern und sich gegeneinander verschieben, was Leo sehr beeindruckt. In unseren ICEs ist das ja alles mittlerweile unter Putz.
Wir frühstücken Hot Dogs, Breakfast Burger und Cream Cheese Bagels aus dem Speisewagen.
Wir fahren durch Joliet, in dessen Gefängnis Jake Blues einsitzen musste. Heute ist das Jail als Museum zu besichtigen. Nächstes Mal vielleicht…
Nach dem Frühstück habe ich Zeit, die bisher geschossenen 1118 Fotos auf „nur“ 305 zu reduzieren – Strom für den Laptop gibt’s auch. Überhaupt wird man in Amerika vorzüglich versorgt, z. B. stehen in der Innenstadt von Chicago überall Trinkbrunnen herum. Was ein wenig nervt ist die allgegenwärtige Klimaanlage: Jeder geschlossene Raum, sogar ein botanisches Atrium am Pier mit tropischen Pflanzen, ist arktisch klimatisiert. Keine Ahnung, wie die Amerikaner das packen. Gut, dass wir unsere Softshell-Jacken immer dabei haben.
Noch nerviger sind die US-Dollar: Alle Scheine haben genau dieselben Maße und quasi dieselbe Farbe. Ich lebe in der permanenten Sorge, einem Kellner aus Versehen 100 Dollar Trinkgeld zu geben. Das Bezahlen ist sowieso knifflig, da die staatliche Mehrwertsteuer meist erst an der Kasse aufgeschlagen wird. Will man z. B. einen Kapuzenpulli kaufen (weil man dummerweise nicht warm genug zum Essen im Restaurant angezogen ist), der laut Etikett 38 Dollar kostet, sind an der Kasse plötzlich 42 Dollar zu berappen.
Eine phantastische Idee hatte dagegen die Eisenbahngesellschaft Amtrak, als sie zur Unterhaltung für jeden Streckenabschnitt mehrere Podcasts produziert hat. So hat man noch viel mehr von der Eisenbahnreise.

In St. Louis, Missouri, erwarten uns Valerie und TeJuana um 15:00 am Bahnhof. Wir fahren direkt zur katholischen Cathedral Basilica of St Louis,
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ein Geheimtipp von Valeries Freundin Sue, die wir später treffen. Die romaneske Kirche ist komplett mit Mosaiken ausgestaltet, obwohl sie erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbaut wurde. Sehr eindrucksvoll, schön und besinnlich!
Danach kehren wir zur alten Union Station zurück, die zum Einkaufszentrum umfunktioniert wurde, und treffen Sue, mit der wir dann bei Maggie O’Brien’s Irish Pub sehr leckeres Pulled Pork und Roastbeef-Sandwiches genießen.
Um 20:00 haben wir Tickets für den Gateway Arch, einen riesigen Bogen aus Edelstahl, der das Portal zum Westen symbolisiert – die Entdecker Lewis und Clarke zogen von hier vor gut 200 Jahren los, um den wilden Westen zu kartographieren (hat geklappt) und einen schiffbaren Fluss zum Pazifik zu finden (da sind aber die Rockies im Weg). Der Bogen ist nicht nur ein wunderschönes Denkmal und gleichzeitig die größte Edelstahlkonstruktion der Welt (Superlative müssen eben sein), der Weg nach oben erinnert auch sehr an die High-Tech-Festungen von James Bond-Bösewichten aus den Sechzigern: Man besteigt im Keller eine eiförmige Kapsel,
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in der man recht gedrängt sitzt; diese Kapsel wandert dann den Bogen hinauf und dreht sich dabei in ihrer Führung; aber nicht wie beim Paternoster sanft schwingend, sondern in kleinen ruckartigen Schritten. Oben angekommen blickt man auf West und Ost hinab; ironischerweise liegt der „zivilisierte“ Stadtkern im Westen, und im Osten ist es weitestgehend leer. Anke hält trotz Höhenangst heldenhaft mindestens zwanzig Minuten nahezu klaglos aus.
Nach der Talfahrt gibt es einen Dokumentarfilm aus den Sechzigern, der den Bau des Monuments begleitet und die außergewöhnliche technische Leistung würdigt.
Der Tag endet im Comfort Inn Hazlewood, das Valerie für uns gebucht hat. Sue, die bei uns bleibt und uns morgen begleitet, und deren Mann Polizist ist, warnt vor der üblen Gegend, was mich als unbewaffneten (nebenbei: Valerie wäre heute beinahe nicht in den Arch gekommen; „she carried“) Touri aber nicht von einem kleinen Getränkeshoppingspaziergang abhält.

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Chicago – Kultur pur

Ort: Chicago, IL
Wetter: Trocken, windig
Musik: Heard it through the grapevine
Essen: Chicago Style Hot Dogs
Motto: Life is like a box of chocolates

Der Jetlag lässt langsam nach, und wir wachen „erst“ um kurz nach sechs auf. Nach dem Restefrühstück (Pizza) und Gratiskaffee vom Hotel fahren wir mit dem Bus zum Loop. Das Wetter meint es gut mit uns. Um 8:30 stehen wir vor den verschlossenen Türen des Chicago Art Institute – zwei Stunden zu früh. Sowas passiert uns sonst nicht so schnell. Egal, wir bewundern eine „Gang“ von ca. 20 Harleys
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– beim genaueren Hinhören sind es Italiener, die wohl die Route 66 vor sich haben, welche direkt vor den Türen des Kunstmuseums beginnt. Wir versuchen, einen gebrauchten IPod für Leo aufzutreiben (seiner hat den Geist aufgegeben, Apfelglump!) und geraten so in ein Hochhaus, das komplett von Juwelieren gemietet zu sein scheint. Im Pawn Shop, Pfandleihhaus, im 7. Stock führt man leider auch nur Schmuck.
Dann darf sich Leo auf einem Picasso austoben – nicht mit Wachsmalkreide, sondern zu Fuß; auf der Daley Plaza steht eine riesige Pferdeskulptur des Meisters.
Direkt gegenüber lädt der Chicago Temple of the First United Methodist Church
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zum Innehalten ein; eine Freiwillige erzählt uns Geschichten aus ihrer Kindheit („Oma redete prinzipiell nur mit Methodisten“) und Witze („Baptisten kommen in die Hölle wegen Rauchens, Methodisten wegen Trinkens, Anglikaner, weil sie die falsche Gabel verwendet haben“). Leider haben wir für die Chapel in the Sky um 14:00 keine Zeit, dazu später.
Nun ist auch das Art Institute geöffnet, und wir stürzen uns auf Künstler der ganzen Welt. Nach fast 3 Stunden Rembrandt, Monet, Hopper,
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Wood und co. hat Leo großen Hunger. Zunächst gibt’s einen Chicago Style Hotdog („dragged through the garden“, so genannt wegen der vielen Gemüsebeilagen) auf die Hand, dann dürfen wir bei Buddy Guy’s Legends hören, wie Anthony Moser nicht die Harfe bläst, sondern die Saiten zupft.
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und genießen creolische Spezialitäten wie Gumbo und Hog Wings (wenn Schweine fliegen können?). Was daran besonders ist? Mittags sind auch Kinder herzlich willkommen, obwohl Bier auf dem Tisch steht (Alkohol und Jugendliche passen in den Staaten selten unter ein Dach).
Dann lösen wir das Versprechen ein, mit Leo über den „Plärrer“, wie er es nennt, also zu den Fahrgeschäften am Navy Pier, zu schlendern. Abkühlung holen wir uns dann am nahe gelegenen Ohio Street Beach; Leo schwimmt im Michigansee,
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wir müssen uns mangels Badekleidung mit Waten und einem Bierchen in Caffé Oliva begnügen und hoffen, dass es nicht wieder wie gestern abends gewittert.
Wir stärken uns mit Seafood in der Bubba Gump Shrimp Co. (angelehnt an „Forrest Gump“) am Pier, und dann kommt der krönende Abschluss: Ein nächtlicher Segeltörn auf dem Tall Ship Windy (ein passender Name, angelehnt an Chicagos Spitznamen ‚Windy City‘; der Wind ist kalt und kräftig), um das Feuerwerk zu bestaunen, das im August zweimal die Woche über Chicago abgebrannt wird – ein unglaubliches Erlebnis!
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Leo darf beim Segelsetzen helfen, muss dann aber schlafend per Taxi ins Hotel gebracht werden.

Danke übrigens für die Kommentare, wir freuen uns sehr, dass Ihr virtuell dabei seid!

Chicago zu Fuß

Ort: Chicago, IL
Wetter: Alles dabei
Musik: Sitting on the dock of the bay
Essen: American Breakfast
Motto: Keep on walking

Bin um Viertel nach vier aufgewacht, Leo kurz darauf. Es hat immer noch wie aus Kübeln gegossen. Nachdem ich ein Tagesprogramm für Chicago im Regen gebastelt hatte (Chicago Art Institute, Field Museum, Shedd Aquarium, Adler Planetarium und Chicago Children’s Museum sind allesamt äußerst sehenswert), wollten wir Jungs dann schon mal losziehen, Regenschirme oder Ponchos besorgen, doch Anke ist dann auch aufgewacht. Als wir kurz nach sechs das Hotel verließen, war das Wetter auch besser geworden und wir blieben trocken. Der erste Eindruck: Chicago ist eine äußerst gepflegte, schöne Stadt; überall Blumenbeete, breite Straßen und Fußwege, und wenn man’s sportlich angeht alles in Laufreichweite.
Auf der Straße sprach uns dann eine Hobbyfotografin an (die Nikon um den Hals ist ähnlich wie ein Freimaurerhandschlag) und gab uns diverse Tips, z. B. zum Frühstücken im West Egg Café.Nach ca. 2 Millionen Kalorien (Hacksteak in Cremesauce mit Bratkartoffeln, French Toast, Pancakes und zwei Liter Kaffee – nota bene zum Frühstück!)…
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…begrüßte uns die Sonne, und wir konnten tolle Fotos von den Wolkenkratzern machen – besonders hübsch die Zentrale der Lokalzeitung „Chicago Tribune“ mit einer Spitze, die an eine gotischen Kathedrale erinnert.
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In den Parks zwischen dem „Loop“ genannten Innenstadtkern und dem meerähnlichen Michigan-See
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begeisterten uns diverse Skulpturen, vor allem das „Cloud Gate“ (die 100 Tonnen schwere und zehn Meter hohe Bohne besteht übrigens aus einzelnen Metallplatten, deren Nähte unsichtbar verschweißt wurden – schon allein handwerklich ein Meisterwerk),
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und Leo darf oben ohne in den Brunnen mit ihren turmhohen Multimedia-Kunstwerken toben.
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Über eine Fußgängerbrücke aus der Feder von Frank Gehry
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gelangten wir zu einem riesigen Spielplatz, komplett mit „Enchanted Forest“,
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Tower Bridge-Kletterburg und, und, und. Zum Chill-Out (im wahrsten Sinn des Wortes, denn es ist wieder ordentlich heiß geworden) setzten wir uns am Yachthafen mit Snow Cone und Cola unter einen Apfelbaum. Leo fütterte ein zutrauliches Eichhörnchen mit Keksen:
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Am Buckingham Fountain wird Anke vom Lokalradio interviewt und gibt gerne zu, noch nie einen größeren, beeindruckenderen Brunnen gesehen zu haben – die Kulisse der Wolkenkratzer in der Ferne hinter den riesigen Grünflächen ist aber auch wirklich hübsch.
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Im palastähnlichen Field Museum bestaunen wir den größten bislang freigelegten Tyrannosaurus Rex,
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den man der Einfachheit halber hier „Sue“ nennt, bevor wir einen 3D-Film über die Evolution auf den Galapagosinseln genießen. Sehr eindrucksvoll ist auch eine umfassende Ausstellung über amerikanische Ureinwohner. Dann erschleichen wir uns noch Zugang zu einer Sonderausstellung, in der man virtuell um den Faktor 100 geschrumpft das Erdreich erkundet – meterlange Würmer und Ameisen aus Plaste inklusive.
Der Schrittzähler zeigt 19 Kilometer an, unsere Füße brennen, deshalb fahren wir mit dem Bus (dauert 45 Minuten – wir sind also wirklich wacker gelaufen) zurück zur Watertower Area, wie das Gebiet um unser Hotel genannt wird. Dort angekommen werden wir in der Cheesecake Factory nicht von Penny, sondern Lauren mit Burgern und – welch Überraschung – Käsekuchen verwöhnt.
Ein sehr schöner, doch auch anstrengender Tag endet um 19:00 für die Großen mit Sierra Nevada Oktoberfest Beer und für Leo mit Donald Duck über Youtube.

Pizza & Riegele’s Friends

Nachdem wir Leo todmüde im Hotel ins Bett gelegt haben, ziehe ich nochmal los, Stadtluft schnappen und Futter besorgen. Ich laufe ein paar Blocks zu Giordano’s, einer echten Institution, denn Pfannenpizza ist die Chicagoer Spezialität.
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Während der einstündigen Wartezeit (das gehört dazu) erlebe ich ein waschechtes Great Lakes-Gewitter:

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Alles bestens!

Sind gut in Chicago gelandet, sogar die Koffer sind da! Wie die Dänen das in der kurzen Zeit geschafft haben, ist mir ein Rätsel. Aber die haben ja schon Amerika entdeckt und sogar Lego erfunden, die haben’s also drauf.
Der Flug war recht angenehm, auf Sitzplatz in der letzten Reihe muss man wenigstens keine Rücksicht beim Zurücklehnen nehmen. Sehr nett war vor allem die Möglichkeit, per Front- und Bodenkamera live nach draußen zu schauen und vor allem die Landung zu verfolgen. Das Abendessen war auch recht ordentlich, aber beim Spätimbiss waren wir froh, selbst noch Semmeln und Brezen von zu Hause mitgebracht zu haben.
Wir sitzen schon im Bus von Go Airport Express, der uns zum Hotel bringt. Happy!
Unsere amerikanische Handynummer lautet +1-267-752-4361. Schwülwarmes Wetter, netter Fahrer.

War ja klar

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Die Wartezeit habe ich damit verbracht, die Lufthansa-Star-Alliance-Leute in München zu nerven („Wir dürfen nichts machen, SAS verbietet uns das“) und mit SAS in Kopenhagen zu telefonieren („Nein, ich darf Sie nicht umbuchen. Nein, ich darf Sie nicht mit meinem Vorgesetzten verbinden. Nein, die Beschwerdestelle hat keine Telefonnummer, nur EMail.“ – „Danke für gar nichts“).
Irgendwie schafften es die Piloten jedoch, die Flugzeit auf 65 Minuten zu drücken („Heut‘ mach mer amal Warp 9, Mr. Chekov“, oder wie lief das?), und wir kamen um 15:25 aus dem Zubringer raus. Zum nächsten Gate gerannt – und da gab es noch eine Passkontrolle. Acht Buden, eine davon besetzt. Narf! Dennoch haben wir es dann keuchend zum Flugsteig geschafft. Nur – was ist mit den Koffern?

München

Sind gut am Flughafen angekommen und haben direkt neben dem Terminalgebäude geparkt – Upgrade sei Dank! Dafür ist die Schlange am Check-In-Schalter enorm, weil die unbemannten automatischen Bag Drop-Schalter nicht funktionieren.

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Aber ich will unbedingt die knallgelben „Hot“ Tags, welche die Baggage Handler zu Eile gemahnen sollen, um bessere Chancen zu haben, die Koffer heute noch nach Chicago zu bekommen. Und eine fröhliche Lufthansadame erfüllt mir diesen Wunsch.

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Fliegen macht Freude :-|

Unsere Umsteigezeit in Kopenhagen beträgt 50 Minuten, falls es keine Verspätungen gibt (Gelächter).
Die für das Umsteigen benötigte Zeit beträgt laut Flughafen Kopenhagen 45 Minuten.

Ich fress‘ einen Besen quer, wenn es unsere Koffer mit uns nach Chicago schaffen. In Erinnerung an unsere Erlebnisse in San Francisco (72 Stunden in derselben Unterwäsche, igitt) werden wir diesmal auch Waschzeug (sehr praktisch sind flugtaugliche Mini-Packungen Shampoo, Zahnpasta und Deo in Packungsgrößen unter 100 ml) und Wechselkleidung im Handgepäck mitnehmen. Mit etwas Glück können wir unsere Koffer dann mit WorldTracer verfolgen.

Nachtrag: Gerade mit SAS telefoniert: Wenn wir unseren Anschluss verpassen, müssen wir in Kopenhagen übernachten. Aber Kopenhagen ist ja auch eine sehr hübsche Stadt.

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Sicherheit geht vor :-|

Die USA sind ein wunderschönes Land, und es gibt wohl kaum herzlichere und gastfreundlichere Menschen als Amerikaner – wir dürfen uns glücklich schätzen, dort so gute Freunde zu haben.

Die US-Regierung hat jedoch scheinbar beschlossen, dass man diese Gastfreundschaft nicht so deutlich zeigen sollte. Um in die Staaten einreisen zu dürfen, muss man Prozeduren über sich ergehen lassen, die an die Zonengrenze vor 1989 erinnern:

  1. Ohne elektronisch lesbaren Pass mit biometrischen Daten geht gar nichts. Selbst Leo muss im Bürgerbüro seine Fingerabdrücke einlesen lassen.
  2. Mit den neuen Pässen muss ein ESTA-Antrag gestellt werden. Früher bekam man im Flugzeug farbige Zettel, auf denen man bestätigen musste, dass man weder Syphilis, Lepra noch Drogen mitführt; dass man nicht mit Staatsgeheimnissen handelt und auch keinen Völkermord begangen hat (kein Witz!). Heute gibt’s keine Zettel mehr, das Ganze wird online absolviert und kostet 14 Euro pro Nase. Dafür „darf“ man online auch angeben, bei wem und als was man seine Brötchen verdient.
  3. Damit nicht genug: Bei der Fluggesellschaft muss man ebenfalls die Passnummern, sämtliche Vornamen sowie die erste Übernachtungsadresse in den USA eintippen, sonst wird einem das Boarding verwehrt. Über diese Information bin ich eher zufällig gestolpert – Glück gehabt, sonst hätte die Reise vielleicht schon in Kopenhagen geendet.
  4. Schon 2007 interessierte sich Herr Bush und seine Sicherheitsfuzzis intensiv für meinen Körper; vier Finger und meine rechte Retina sind den Behörden nach der ganz normalen „Immigration“ nun bekannt. Auf Fragen wie „Wieso reisen Sie in die USA? Wohin fahren Sie? Wen treffen Sie dort?“ möchte man als aufgeklärter Schwabe gerne mit „Des geht Sie an Sch….dreck an!“ antworten, doch man will „rein“ und muss höflich die Privatsphäre beim Türsteher abgeben – was einem das Gefühl gibt, weniger Gast als Geduldeter zu sein.

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Flüge und Telefon

Unsere Reise rückt näher, und die Feinplanung steht:

Wir werden in den USA über eine amerikanische Handynummer erreichbar sein, das läuft über den Anbieter ReadySim. So können wir auch ab und zu ein Foto oder unsere Tagebucheinträge hierher hochladen. Vor acht Jahren haben wir noch per SMS-Dienst gebloggt – so ändern sich die Zeiten… Die amerikanische Handynummer stelle ich hier online, sobald ich die SIM-Karte in Chicago aktiviert habe.

Apropos Telefon: In Chicago, St. Louis und Arkansas haben wir 7 Stunden Zeitverschiebung; wenn es in Deutschland 18:00 Uhr ist, ist es bei uns 11:00 Uhr; in New York sind es „nur“ noch 6 Stunden (18:00 => 12:00 Uhr)

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Vorbereitungen

2015 ist für uns ein bedeutsames Jahr: Anke und ich begehen unseren zehnte Hochzeitstag, Leo wird Schulkind, und ich übernehme meine lang erkämpfte Stelle in der Schulleitung. Jeder Anlass für sich würde einen besonderen Urlaub zum Feiern rechtfertigen, doch alle drei zusammen – da kommt nur eine besonders außergewöhnliche Reise in Frage.
Im Herbst 2014 komme ich auf die Idee, wieder eine große Tour durch die USA zu machen. Schon der letzte Urlaub in den Staaten im Jahr 2007 markierte einen besonderen Anlass – zum einen unsere große, nachträgliche Hochzeitsreise, zum anderen wollten wir es noch einmal als Pärchen „krachen lassen“, bevor wir uns als Eltern versuchen wollten.

Nun hatten wir also Baby-, Kleinkind- und Kindergartenphase erfolgreich hinter uns gebracht. Mir war klar, dass Leo die großen Städte lieben (Stichwort London, Paris, Amsterdam…), vor allem aber das Landleben mit den großen Maschinen und Fahrzeugen, die große Freiheit des mittleren Westens, genießen würde.
Seine Reisetauglichkeit, die bei unserer Unternehmungslust beinahe schon Leidensfähigkeit genannt werden müsste, hat Leo auf drei Englandfahrten hinlänglich bewiesen.
Mitte Oktober schrieb ich also Valerie ein EMail, um uns für Sommer 2015 bei ihr einzuladen. Drei Tage später stand die Einladung, und wir konnten uns mit Toni zusammen an die Flugbuchung machen. Anfang Dezember waren die Tarife recht günstig, und wir schlugen zu. Auch die passenden Hotels und Flughafentransfers konnten wir festklopfen.

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