PC mit Windows XP sauber neu installieren

Von Stefan | Unter IT, Windows | Kommentar dazu?  | 8893 Hits.
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Ab April 2014 endet der Support von Windows XP. Sie sollten XP nur noch zu Testzwecken nutzen, keinesfalls als Produktivsystem! Nutzen Sie eine aktuelle Windows-Version!

Wer einen PC mit Windows XP sauber und effizient installieren möchte, sollte nach meiner Erfahrung folgende Schritte befolgen:

Checkliste – das sollten Sie griffbereit haben:

  • Aktuelle XP-CD, falls nötig mit Festplattentreibern (siehe unten unter 1.!)
  • XP-Produktkey (Buchstaben- und Zahlenfolge, 5 Blöcke à 5 Zeichen; oft als Aufkleber am Gerät zu finden)
  • Netzwerk- bzw. WLAN-Treiber (vorher vom Hersteller herunterladen und auf USB-Stick bereithalten)
  • ggf. Internetanschluss
  • falls möglich: Treiber-CD des PC/Mainboard-Herstellers
  • falls möglich: Aktueller Virenscanner auf USB-Stick
  • soweit vorhanden: CDs mit Programmen und Gerätetreibern

Installationsverlauf:

  1. Vorbereitungen:

    Wir gehen von einem leeren bzw. installationsbereiten PC aus, auf dem sich keine Daten mehr befinden, die für den Benutzer relevant sind. Dies ist eine wichtige Grundvoraussetzung, die oftmals nicht beachtet wird. Sollte Ihr Rechner aufgrund häufiger Abstürze neu installiert werden müssen, ist eine Sicherung Ihrer Daten notwendig. Üblicherweise kopieren Sie hierbei:

    1. Ihre Profilordner, der Ihre „Eigenen Dateien“ und Internet Explorer
  2. Wir benötigen eine möglichst aktuelle Windows-XP-CD, auf der auch ggf. Treiber für aktuelle SATA-Laufwerke enthalten sind (sehr oft notwendig beim Downgrade von Vista- bzw. Win7-Rechnern). Aktuell wird eine CD durch das „Slipstreaming“ von Service Packs; so kann man auch die Treiber auf die CD bekommen. Für beides kann nLite verwendet werden. Sicherheitshalber sollte die CD, falls selbst gebrannt, auf einem virenfreien Rechner auf Viren untersucht werden.
  3. Als letzten Schritt vor der Installation sollte man sicherstellen, Treiber für die Netzwerk- oder WLAN-Karte parat zu haben (z. B. auf der Treiber-CD des PC- oder Mainboard-Herstellers) oder Zugang zu einem Rechner mit Internetverbindung und einen USB-Stick zur Verfügung zu haben. Sollte keine Original-CD zur Verfügung stehen, ist es ratsam, sich die Angaben aus einem ggf. noch laufenden alten System zu notieren und den richtigen Treiber im Internet zu suchen, bevor neu installiert wird!
  4. Grundinstallation:

    Der Rechner wird nun mit der XP-CD gebootet, die Windows-Installation lädt erste Daten. Bei der Partitionierung kann man zunächst die gesamte Festplatte auswählen und sie mit NTFS im Schnelldurchlauf formatieren. Alternativ kann man auch hier schon eine Partitionierung vornehmen, das ist hier aber zeitraubend und kann später bequemer erledigt werden (s. u.).

  5. Während der Installation sind Grundeinstellungen vorzunehmen (man kann hier i. d. R. einfach die voreingestellten Standardwerte bestätigen; es lassen sich alle Einstellungen im Nachhinein ändern), ein Computername ist zu vergeben (auf jeden Fall einen eindeutigen Namen wählen, der im lokalen Netzwerk noch nicht verwendet wird), und der XP-Produktkey (oft auch als Seriennummer bezeichnet) muss eingegeben werden. Am Ende der ca. 30-60 Minuten dauernden Grundinstallation finden wir ein funktionsfähiges Basissystem vor.
  6. Schutz:

    Als nächstes ist zuerst für den Schutz des PCs zu sorgen: Prüfen Sie, ob die Windows-Firewall (ab Service Pack 2 von Haus aus mitinstalliert und voraktiviert) tatsächlich auch aktiviert ist (Systemsteuerung – Sicherheitscenter) und installieren Sie dann einen Virenscanner (ich empfehle das für den Privatgebrauch kostenlose Antivir). Lassen Sie Ihren Virenscanner sofort ein Update durchführen. Führen Sie diese Schritte optimalerweise aus, bevor Sie sich zum ersten Mal mit Ihrem Netzwerk verbinden. Ihr PC ist nun gegen die meisten Angriffe geschützt.

  7. Um den Schutz zu komplettieren, verbinden Sie sich jetzt mit dem Internet (ggf. muss jetzt ein Treiber für Ihr Netzwerk- bzw. WLAN-Gerät installiert werden) und lassen Sie dann (Link funktioniert nur im Internet Explorer) „Windows Update“ laufen. Das Programm lädt alle notwendigen Updates von den Microsoft-Servern herunter und installiert sie auf Ihrem PC. Meist sind mehrere Neustarts des Systems notwendig. Starten Sie Windows Update solange, bis Ihnen keine weiteren Updates angeboten werden. Gerade wenn Ihre XP-CD nicht das aktuelle Service Pack enthält, kann dieser Schritt recht lange dauern.
  8. System einrichten:

    Partitionieren Sie nun Ihre Festplatte. Dabei hilft Ihnen das für den Privatgebrauch kostenlose und für 32bit- wie auch 64bit-Systeme geeignete Partition Wizard (direkter Download Ver. 5.2) Eine XP-Installation mit den üblichen Anwenderprogrammen und Updates benötigt ca. 10-15 GB. Verkleinern Sie Laufwerk C entsprechend; als Faustregel: Für C: verwendet man die Hälfte bis ein Drittel der gesamten physischen Festplatte, bei sehr großen Platten auch weniger Platz. Legen Sie dann eine weitere Partition an, auf der Sie Ihre Daten ablegen. Wer besonderen Wert auf Sicherheit beim Wiederherstellen seiner Daten legt und keine Dateien über 4GB verwendet, kann sich für FAT32 entscheiden. Üblicherweise wird aber NTFS verwendet. Sie sollten NTFS-Partitionen nur in besonderen Ausnahmefällen und mit sehr gutem Grund komprimieren oder verschlüsseln, da eine Datenrettung im Notfall dann schwierig oder sogar unmöglich werden könnte. Beachten Sie auch unbedingt den Punkt „Niemals Betriebssystem und Daten mischen!“ (s. u.)

  9. Treiber: Installieren Sie nun alle Treiber für Ihr System. Sie sollten „von innen nach außen“ vorgehen; also zuerst der Prozessor- und Chipsettreiber, dann der AGP-Treiber, dann der Grafikkartentreiber, und dann die anderen Geräte (Soundkarte, Chipkartenleser etc.). Stellen Sie Ihren Monitor auf die optimale Auflösung ein. Neustarts nach jeder Installation werden empfohlen, sind aber nach meiner Erfahrung nicht unbedingt notwendig.
  10. Als nächstes sind grundlegende Systemeinstellungen an der Reihe: Öffnen Sie die Systemeigenschaften mit einem Rechtsklick auf „Arbeitsplatz“. Die Systemwiederherstellung sollten Sie deaktivieren, da man sich auf dieses Feature nicht wirklich verlassen kann. Geben Sie Ihrem Rechner eine feste Auslagerungsdatei (1024 MB als Richtwert, man liest oft, es solle das Doppelte des physischen Arbeitsspeichers sein, was ich aber nicht nachvollziehen kann).
  11. Programme installieren:

    Nun können Sie beginnen, Ihre Anwenderprogramme (Office etc.) zu installieren. Tip: Es gibt zu fast jedem Kaufprogramm eine legale, leistungsfähige und kostenlose Alternative:
    Microsoft Office – OpenOffice.org
    Nero Burning Rom – CDBurnerXP
    Internet Explorer – Mozilla FirefoxFlash Plugin dafür
    Outlook (Express) – Mozilla Thunderbird
    Installieren Sie auch folgende „Must-Have“ Software, um Dateien aus dem Internet oder von Kollegen bearbeiten zu können:

    1. Adobe Acrobat Reader (am besten ohne Zusatzsoftware installieren!)
    2. FastStone Image Viewer (Bildanzeige und -bearbeitung)
    3. VLC Media Player (Wiedergabe beinahe aller Video- und Audioformate)
    4. WinRAR oder 7zip (zum Öffnen komprimierter Archivdateien)
      Halten Sie Ihre Installation möglichst schlank und installieren Sie vor allem keine „Tune-Up“-Programme, die Ihren Rechner angeblich schneller machen; oft ist eine Verschlechterung der Fall. Bevor Sie mit diesen Utilities experimentieren, sollten Sie Ihre C:-Partition sichern (s. u.).
  12. Schließen Sie die Softwareinstallation ab, indem Sie nochmals Windows Update starten; gerade neu installierte Microsoft-Produkte erhalten hier noch einmal wichtige Patches.
  13. Nun muss Ihr PC auf das Verwalten Ihrer Daten vorbereitet werden. Hier gilt immer die Grundregel: Niemals Betriebssystem und Daten mischen! Genau dieses Prinzip beachtet Windows in der Standardinstallation aber nicht, deshalb mussten Sie auch manuell Ihre Festplatte partitionieren. Richten Sie nun Ihre „Eigenen Dateien“ auf D: ein (Rechtsklick auf „Eigene Dateien“, als Ziel „D:\Eigene Dateien“ eingeben).
    Da man oft auch Dateien auf dem Desktop ablegt, sollte auch dieser auf D: verlegt werden. Dazu benötigen Sie TweakUI. Starten Sie das Programm, das Sie im Startmenü unter „PowerToys for Windows XP“ finden, und legen Sie unter „My Computer“ – „Special Folders“ – „Desktop“ mit „Change Location“ das Ziel „D:\Desktop“ fest. Nun können Sie Ihre Daten in die gewünschten Ordner kopieren. Bei einer Neuinstallation oder dem Wiederherstellen einer Sicherungskopie („Klonen“) bleiben Ihre Dateien – soweit Sie keinen Bedienerfehler machen – nun erhalten.
    Wenn Sie ein Mailprogramm benutzen, sollten Sie auch Ihre Maildaten auf D: speichern:

    1. Anleitung für Thunderbird
    2. Anleitung für Outlook Express Maildaten und Adressbuch
  14. Jetzt können Sie mit Ihrem PC arbeiten. Es würde sich anbieten, jetzt noch Ihr System zu sichern, z. B. durch das Einrichten eines Backup-Systems (ein sehr simples Tool hierfür ist Bart Backup – wesentlich mehr Funktionen, unter anderem Backups auch auf FTP-Servern bietet das ebenfalls kostenlose AceBackup) und/oder das Sichern Ihrer C:-Partition mit einem Klon-Programm wie Norton Ghost oder eine kostenlose Alternative (ungetestet!).

Viel Erfolg!

Weitere Tips in Stichwörtern:

Adressleiste in XP SP3 nachinstallieren: MuvEnum Address Bar

Benutzerdaten per Registry ändern: Textdatei Nutzerdaten.reg mit Notepad erstellen; folgendes hineinkopieren und ggf. anpassen (Win XP):

Windows Registry Editor Version 5.00
[HKEY_LOCAL_MACHINE\SOFTWARE\Microsoft\Windows NT\CurrentVersion]
"RegisteredOrganization"="-"
"RegisteredOwner"="-"

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